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Java: Keuschheitsgürtel und Kokosnussköpfe

Exotische Klangteppiche im Schneidersitz

Stoisch und gelassen gehen die Javaner mit den großen und kleinen Herausforderungen des Alltags um.  Zusammengestaucht vom Alter, doch kein bisschen krummbuckelig, hocken die Musiker des Gamelan-Orchesters hinter ihren Schlaginstrumenten. Die Beine im Schneidersitz gekreuzt, die Gesichter unter den braunen Batik-Kopftüchern in geduldige Falten gelegt, klöppeln sie schläfrig gegen die Beschleunigung der Moderne an. Ihre Bewegungen wirken würdevoll und schlafwandlerisch, als spielten sie seit Jahrhunderten im Zeitlupentempo ihrer eigenen Musik hinterher. Zwischendrin rauchen, raunen und scherzen sie miteinander, schlürfen Tee und spinnen selbstvergessen an ihren exotischen Klangteppichen weiter.

Niemand hat hier Bandscheibenprobleme

Perlend und träge tröpfeln die fremdartigen Melodien durch die Säulenhalle des fürstlichen Pavillons. Zwei Sängerinnen mit hochgesteckter Lackfrisur und spitzendurchbrochenen, taillierten roten Blusen begleiten das Arrangement der Bronzegongs, Metallophone und Xylophone. Auch sie balancieren mit untergeschlagenen Beinen und durchgestreckter Wirbelsäule auf ihrer Bastmatte, unangefochten von Bandscheiben- und anderen Attacken des Alters. Niemand scheint zu erwarten, dass irgend jemand konzentriert der Musik lauscht. Weder die wenigen Touristen, die etwas verloren durch Solos Fürstenhof Mankunegaran streifen noch die in Sarongs gekleideten Palastwachen, die, den Kris, den magischen Dolch, in ihrem Gürtel steckend, beim Plaudern den parfümierten Qualm ihrer Kretekzigaretten in die schwüle Luft blasen.