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Patti Smith in New York

Es ist der Sommer, in dem John Coltrane stirbt und Jimi Hendrix in Monterey seine Gitarre in Brand steckt. Patti Smith ist zwanzig Jahre alt, als sie 1967 mit dem Bus aus New Jersey, in New York eintrifft. Schlaksig, schmalhüftig und hochaufgeschossen wie ein Junge, verträumt, lesehungrig – und wild entschlossen, hier ein Leben als Künstlerin zu führen, einen Künstler zu lieben und mit ihm zusammen zu leben.

Sie trägt Jeans, einen schwarzen Rollkragenpullover,  einen grauen Regenmantel und ein  gelb-rot karierten Köfferchen, das neben ein paar Kleidungsstücken und Familienfotos ein Notizbuch, Zeichenstifte und Arthur Rimbauds Gedichtband Illuminationen enthält. Das Buch hat sie als Teenager an einem Bahnhofsständer geklaut und mit Haut und Haaren verschlungen. Seither ist der jung verstorbene französische Poet „ihr Erzengel“, ihre Inspiration zum Schreiben, ihre „erste große Liebe“. Seine Gedichte haben sie getröstet,  als sie drei Jahre später gleich beim ersten ernsthaften Herumfummeln schwanger wird, im Alleingang ihr Kind austrägt, zur Adaption freigibt und vom College fliegt.

Gleich nach ihrer Ankunft stolpert Patti Smith in Brooklyn  über einen blassen, dünnen Jungen mit dunklen Locken, geschickten Fingern und Glasperlenketten um den Hals.  Es ist Robert Mapplethorpe, Sohn eines Offiziers und ehemaliger Messdiener in Long Island, der sich mit seinem Vater überworfen hat, weil er anstatt seine Grafiker-Ausbildung zu beenden lieber mit LSD und Acid experimentiert und fantasievollen Schmuck  bastelt. Die Begegnung ist flüchtig.