Oh, wie cool ist Panama!

 

Wer mehr über Panama erfahren will, findet in der aktuellen Vogue Bettina Winterfelds große Reisereportage. Link: vogue.de

Nein,  Panama duftet nicht  „von oben nach unten nach Bananen“, wie es uns Janosch in seinem poetischen Kinderbuch  verheißt. Das kleine mittelamerikanische  Land riecht in der Realität  leider eher nach schmutzigem Geld und illegalen Geschäften als nach unschuldigen Sinnenfreuden und Tropenfrüchten.  Die aktuellen Schlagzeilen rücken Panama und seine Papiere  in ein  wenig schmeichelhaftes Licht. Viele der trüben Machenschaften, die gerade herauskommen, stinken geradezu zum Himmel.

Doch wie steht es um die Reise-Destination? Über Panamas touristischen Seite und seine Musik ist vergleichsweise wenig bekannt. Wir waren  im Februar dort unterwegs – zwei Monate, bevor die Panama-Papers veröffentlicht wurden.  Ohne zu wissen, wie weit die illegalen Verstrickungen tatsächlich reichen, merkten auch wir schon nach wenigen Tagen, dass dieses Land ziemlich bizarr ist. Völlig  anders als sein Nachbar Costa Rica: Extrem widersprüchlich und irgendwie irreal zusammengestückelt. Kein Land mit einer konsistenten, historisch gewachsenen Struktur und Geschichte, sondern ein verwirrendes Puzzle, in dem Alt und Neu, Big Business und Biodiversität, Stadt und Natur, Zivilisiertes und Zwielichtiges unkoordiniert nebeneinanderstehen.  Dennoch – oder  gerade deshalb – fanden wir Panama sehr, sehr spannend! Und gelegentlich  auch entspannend.

Hier ein erster kurzer erster Eindruck, der demnächst ausführlicher ergänzt wird. Panama-City  erinnert eher an Miami als eine mittelamerikanische Hauptstadt. Die Zahl der Hochhäuser wachse nahezu täglich, erzählten uns Einheimische, kein Mensch wisse, ob  es fünfhundert seien oder siebenhundert, und viele Etagen stünden leer, weil sie an Briefkastenfirmen vermietet seinen oder Schwarzgeld aus Kolumbien reinwaschen sollen.  Einige Skyscraper sind  offenbar  völlig unbewohnt oder als Hotels ausgewiesen, in denen kein einziger Gast je übernachtet hat.  Dies und noch einiges mehr  erfuhren wir von  den Menschen, die wir  in der historischen Altstadt kennenlernten.  Aus Gesprächen mit Guides, Kellnern, Restaurant- und Hotelbesitzern, Passanten auf der Straße. Viele waren wütend und verzweifelt über die Verhältnisse in ihrem Land.

Während auf der einen Seite  der lang geschwungenen  Bucht vor Panama City die Wolkenkratzer wie Pilze aus dem Boden schießen, kreisen über der nahe gelegenen Unesco-Weltkulturerbe-Altstadt und ihren bröckelnden Kolonialbauten buchstäblich die Geier.

American Trade Hotel
Das American Trade Hotel in der Altstadt

Das pittoreske, historische Casco Viejo mit seinen teils verfallenen Stadtpalais, Kirchen und Klöstern wird gerade restauriert. Überall wird gehämmert und gestrichen, neue Hotels, Restaurants, Bars, Galerien und Boutiquen entstehen. Dass hinter der sahneweißen Fassade des wunderbar restaurierten American Trade Hotel am Plaza Herrara einst mehr als sechzig Drogenbosse mit ihren Familien wohnten, erfährt man nur, wenn man sich einer ganz besonderen Führung anschließt.
Die „Gangstertour“ von wird von jungen Männern geführt, die einst selbst Drogenbossen waren. Sie begleiteten uns durch eine Nachbarschaft, in dem man sich alleine besser nicht wagen sollte.

Als das American Trade 1917 als Kaufhaus eröffnete, war Panama mit Hilfe amerikanischer Kanonenbootdiplomatie gerade von Großkolumbien unabhängig geworden. Wie die meisten Gäste hatten auch wir keine Ahnung, welch dunkle Vergangenheit sich hinter der sahneweißen Fassade verbirgt. Bis Jaffet ein Gitter neben dem Empfang aufsperrt und das Tor zur Unterwelt öffnet: Das versteckte Treppenhaus ist mit Graffiti geradezu tapeziert. „Bis vor kurzem wohnten hier sechzig Gangs, die sich an den Wänden verewigt haben.“

Bis vor kurzem lebte auch der junge Mann mit dem hippen Hut noch vom Dealen. Dann kam er in Kontakt mit Calicanto. Statt mit Kokain verdient er seinen Lebensunterhalt nun mit Führungen durch sein ehemaliges Milieu. Was zwar weniger lukrativ, aber ungefährlicher ist. Als Drogenboss konnte er kaum die Straße überqueren, ohne von Konkurrenten erschossen zu werden.

Jaffet studiert inzwischen sogar Jura. Er habe jetzt zwar weniger Geld als früher, dafür aber die Aussicht auf eine viel gefährlichere Waffe, lacht er und lässt eine Zahnspange blitzen. Dann wird er wieder ernst. „Viele von uns hatten bereits mit 14 ihre ersten Ladys. Nein, wir waren nicht smart, sondern bis unter die Haarspitzen vollgepumpt mit Adrenalin, arrogant und ungebildet“, gibt er selbstkritisch zu und erzählt die Geschichte von Mario de Mafia, der mit Drogen so viel verdiente, dass die Nachbargang neidisch wurde und einen Killer vorbeischickte. Schwer verletzt sprang Mario aus dem zweiten Stock. Heute arbeitet er auf dem Fischmarkt und bringt den Jungen aus der Nachbarschaft bei, wie man erfolgreich sauber bleibt.
Wir treten auf in den Herrera Park heraus, unter dessen Flamboyantbäumen Liebespaare schmusen. „Das war früher Kriegsgebiet, heute herrscht sozialer Frieden“. Jaffet führt uns an türkis gestrichenen Holzhäusern vorbei, vor denen die Bewohner sitzen und unsere Schritte mit freundlichen, aber wachsamen Blicken verfolgen. Je weiter wir uns vom Hotel entfernen, desto windschiefer werden die Wände.

Nur ein paar Straßen  weiter, am anderen Ende der Altstadt,  wohnt übrigens der Grammypreisträger und Jazzmusiker Ruben Blades. Der panamaische Sänger, Komponist und Pianist war einst sogar Tourismusminister und rief das Panama City Jazz Festival ins Leben, das jährlich im Januar stattfindet. In  Danilo`s Jazzclub treten Panamas beste Musiker auf. Auch Grammy-Preisträger Ruben Blades, der fünf Jahre als Tourismusminister amtierte und in der Nähe wohnt, schaut oft vorbei.

Roberto „Toto“ Ruiz in Danilo’s Jazzclub 5. Februar 2016

 

Tour Gatun See – Gamboa mit Jonathan Zelcer: TrulyPanama.com

 

Eine weitere wichtige Einnahmequelle Panamas ist natürlich der Kanal, der zur Zeit für größere Schiffe ausgebaut wird. Von unserem Balkon aus in der obersten Etage des Trade Hotels konnten wir die Containerschiffe sehen, die sich am Horizont wie an einer Perlenkette aneinander reihten, um auf ihren Zugang zum Kanal zu warten.  Wir hatten die Gelegenheit, mit einem Hubschrauber über den Kanal und seine Schleusen zu fliegen- ein großartiges Erlebnis!

 

Gleich hinter Panamas Stadtgrenze  beginnt der Urwald, ein riesiges, tiefgrünes  Naturschutzgebiet, in dem mehrere hundert Embera-Indianer in einfachen Bambushütten leben. Ohne Strom, ohne Internet, ohne den Wunsch nach Kontakt zur City. Eine Begegnung mit ihnen ermöglichte uns die Amerikanerin Ann Gordon, die mit einem Embera-Mann verheiratet ist. Sie führte uns auf einer Kanufahrt zu dem Dorf, in dem ihre panamaische Familie lebt, und stellte uns ihrer Schwiegermutter vor.

Tour Chagres River mit dem Kanu zu den Embera Indianern mit Ann Gordon

 

Im Unesco-Weltkultur-Ort Portobelo an Panamas Karibik-Küste: Jam-Session Karneval 2016 mit den Diablos am 5. Februar 2016 escuelita del ritmo