Internationale Jazzwoche Burghausen 2018

Im Frühjahr verwandelt sich die Altstadt mit der längsten Burganlage der Welt in eine aufregende Jazz-Location

Fast alle Stars des internationalen Blues-Himmels haben schon an der Salzach gespielt. Ob draußen oder drinnen, ob oben oder unten – ihr unsterblicher Sound weht durch jede Ritze. Dave Brubeck, Chick Chorea, Count Basie, Lionel Hampton, Teddy Wilson, Chet Baker…. You just name it….  Keine deutsche Kleinstadt hat mehr Jazz-Legenden eine Bühne geboten. Ich begegne hier den Ikonen meiner musikalischen Sozialisation buchstäblich auf Schritt und Tritt, denn ihre Namen und Unterschriften sind im Walk of Fame der Fußgängerzone verewigt. Und jetzt -ooops – wäre ich fast auf Ella Fitzgerald getreten! Ausgerechnet auf die First Lady des Jazz!  Ihre Bronzeplatte grundiert das Kopfsteinpflaster vor dem Jazzkeller mit dem Glamour von Harlem. Im Gewölbe des Burghausener Jazzclubs wird heute Abend die große Party losgehen – und sehr viel später auch ausklingen.

Bayerns modernstes Hostel eröffnet zum Finale 2018

Mit Ella Fitzgerald startet oder endet der Walk of Fame, je nachdem, aus welcher Richtung man durch die Altstadt schlendert. Ich komme aus dem Süden, wo pünktlich zum Finale der 49. Internationalen Jazzwoche Burghausen eine neue Jugendherberge eröffnet. In dem Gebäude neben der Musikschule haben die Handwerker gerade erst die letzten Bohrlöcher verschlossen. Es riecht noch immer nach Farbe und Holz, als die ersten Gäste eintrudeln. Unter den Musikern, die im hippen Hostel ihr Lager aufschlagen, sind die junge Nürnberger Baritonsaxophonistin Kira Linn und ihre fünf männlichen Mitspieler. Sie haben morgen beim Next Generations Day ihren großenTag. Ihre vielversprechende Formation Linntett wird das Publikum in der Stadthalle davon überzeugen, dass auch der kleinste Bläsersatz so voluminös wie eine Bigband klingen kann.

Linntett: Kira Linn, bars,bcl; Nino Wenger, as,fl; Christopher Kunz, ts, ss; Lukas Großmann, p; Voctor Mang, b; Johannes Koch, dm

Ü 27 klingt cooler als 50 plus
Vor ihrer Burghausener Premiere tragen Kira und ihre Mitspieler  erst einmal ihre Koffer und Instrumente durch die schmalen Gänge der Jugendherberge, vorbei am BB King– Saal und den überlebensgroßen Porträts zahlreicher Jazz-Legenden, und legen ihre Saxophone, Drums und Bässe auf die frisch bezogenen Stockbetten. Alles wirkt hier frisch und grün. Die Äpfel an der Rezeption und die frisch geschlagenen Birkenäste, die im Speisesaal als Garderobe dienen. Zu meiner freudigen Überraschung gibt es in Burghausens Jugendherberge nur zwei Gästegruppen: Unter oder über 27 Jahren. Als fortgeschrittene „Ü 27“  lege ich gerne ein paar Euro mehr drauf. Dafür werde ich mich bei Nachfragen künftig nicht mehr in der  Altersgruppe „50 plus“ verstecken, sondern lässig als „Ü 27“ outen. Klingt doch gleich viel cooler! Abgesehen davon,  glaube ich, dass Jazzfans prinzipiell jung im Kopf und Herzen sind, egal was der Kalender sagt.
Jugendherberge Burghausen

Die Burg ist einen Kilometer lang
Draußen, am Südzipfel der Altstadt, legt sich die Salzach glitzernd in die Kurve. Auf der anderen Seite der Brücke beginnt Österreich. Salzburg ist nur einen Katzensprung, gute fünfzig Kilometer, entfernt, nach München dauert es doppelt so lang. Jogger und Spaziergänger säumen die Ufer auf beiden Seiten der Salzach. Wenn ich mich zur Altstadt umdrehe, muss ich den Kopf tief in den Nacken legen, um einen Blick auf die größte Festungsanlage der Welt zu erhaschen.  Sie thront auf einem Höhenrücken über der Altstadt und erstreckt sich auf einer Länge von mehr als einem Kilometer.

Lady sings the Blues
Auch Nikky Hill will morgen mit ihrem Mann Matt durch die mächtigen Tore und Burghöfe mit den Pferdeställen, Zwingern und Folterkammern schlendern. Die amerikanische Bluessängerin hat gerade mit ihrer Band in der Wackerhalle ein Konzert gegeben und signiert nun ihre CDs.  „Ich war noch nie in Burghausen und bin sehr gespannt darauf, eine mittelalterliche Bastion zu sehen“, sagt sie. Die „neue Queen of Rock`n´Roll“, wie sie in einer amerikanischen Zeitschrift genannt wurde, steht erst seit wenigen Jahren im Rampenlicht. In Deutschland gilt die temperamentvolle Amerikanerin als Newcomerin. Nikki Hill  stammt aus den Südstaaten der USA, wo vor hundert Jahren in den Baumwollfeldern der Blues  geboren wurde. (Link Reportage New Orleans) Nikkis Band ist ihre Familie, Ehemann Matt steht als Gitarrist an ihrer Seite. (Wackerhalle, 10.März 2018,  Nikki Hill & Band: Nikki Hill, vocals. Matt Hill,  guitar. Laura Chavez, guitar. Nick Gaitan, bass. Chuck Cotton, drum.)
Homepage Nikki Hill

UK goes Bigband & Blues
Nach dem amerikanischen Auftakt des Blues-Nachmittags übernimmt Großbritannien das Mikrophon. Der britische Blues-Sänger und Rock-Gitarrist Danny Bryant hat schon mit internationalen Stars wie Joe Cocker und Carlos Santana gespielt. Jetzt steht der Singer-Songwriter mit seiner eigenen neunköpfigen Bigband auf der Bühne der Wackerhalle und überzeugt durch astreinen Rock und gelungene Gitarrenriffs.

Wackerhalle – 10.März 2018, Danny Bryant & BigBand: Alex Maddison, trumbone. David Maddison, trumpet. Mark Wilkinson, tenor saxophon. Lauren Young, alt saxophon. Stevie Watts,  keyboard, hammond organ. Mar Raner, guitar, back vocals. Alex Phillips, bass, back vocals. Dave Reaburn, drums.
Homepage Danny Bryant

Viva Espagna!
Wolfgang Haffner gehört zu den erfolgreichsten Drummern der Jazz-Szene. Der Schlagzeuger hat schon mit Till Brönner, Klaus Doldinger, Peter Herbholzheimer und Albert Mangelsdorff  getrommelt. In der Wackerhalle tritt er mit seiner eigenen Band auf und setzt den Akzent auf spanische Musik. Inspiriert lassen hat er sich dabei von seiner Wahlheimat Ibiza.

Wackerhalle – 10.März 2018, Wolfgang Haffner&Band:
Wolfang Haffner, bandleader, drums. Roberto Di Gioia, piano. Sebastian Studnitzky, trumpet.

Daniel Stelter, guitar. Christopher Dell, vibraphon. Christian Diener, bass.
Homepage Wolfgang Haffner

Let`s groove together!
2018 setzt die Squeezeband von Reto Weber mit dem italienischen Beatboxer Nino G und dem Schweizer Alphornspieler Walter Sigrist  zwei ganz besondere Akzente. Sigrast baut vor der Bühne das größte Alphorn der Welt auf, und Nino G tritt in Dialog mit dem gebürtigen Kubaner Dany Martinez, der später am Abend  beim Jammen  in den Herzog-Georg-Stuben karibische Spielfreude unter Beweis stellt und – danke, Dany – gegen vier in der Früh im Jazzkeller das letzte Salamibrot mit mir teilt.

Wackerhalle – 10.März 2018, Squeezeband: Reto Weber, hammond organ, drums. Nino G, beatbox. Dany Martinez,  Gitarre. Walter Sigrist,  Alphorn. Vladislav Sendecky, piano. Michael Alibo,  bass.
Homepage Squeezeband

Fulimanter Höhepunkt: Die legendäre Jazznight
Mit dem Groove der Squeezeband im Ohr starte ich am späten Abend zur Jazznight.  Acht Bands laden in die Lokale der Stadt ein. Das ist Kneipen-Hopping vom Feinsten, wie ich es bisher nur in New Orleans kennengelernt habe. Feiern, flanieren, und den Jazz in seiner ganzen Bandbreite genießen. Vom Soul über Latin und Swing bis zu den Gypsy Sounds….Je später die Nacht, desto heißer werden die Rhythmen. Die letzten Nachtschwärmer verlassen den Jazzkeller kurz vor fünf Uhr in der Früh.

Die Altstadt swingt: Die Highlights der Jazznight im Herzen von Burghausen
 

Im Jazzkeller spielt das Don Menza Quartett
http://www.donmenza.com/

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Im Cafe Bichl übernimmt die GProject Blues Band um Tom Ott das Mikrophon

Gypsy Swing im Cabaret des Grauens

Latins Groove mit Rafaelito y su Tumbao in den Herzog-Georg Stubn

 

Im Porto Cervo sorgt Luigi La Marca mit der Schweizer Lounge Band für Stimmung

EIN HALBES JAHRHUNDERT B´JAZZ!

Der Jubiläumstermin für die 50. Internationalen Jazzwochen Burghausen steht bereits fest: 26. bis 31. März 2019
Mehr Infos : https://www.visit-burghausen.com/veranstaltungen/internationale-jazzwoche.html