Balis Gamelanmusik ist eine Hommage an die Götter

Jeden Morgen und jeden Abend werden die Opfergaben ausgelegt
Jeden Morgen und jeden Abend werden die Opfergaben ausgelegt

Nicht nur der balinesische Festkalender, einer der reichsten der Welt, quillt über von Terminen, auch der ganz normale Alltag wird von religiösen Zeremonien und Ritualen geprägt. Frühmorgens flechten die Frauen filigrane Opferschalen aus Bambusblättern, die sie mit Blumen und Süßigkeiten füllen und zusammen mit glimmenden Räucherstäbchen auf die Schwellen ihrer Häuser und Geschäfte legen. Die Opfergaben sollen die allgegenwärtigen Götter erfreuen und die mindestens ebenso allgegenwärtigen Dämonen besänftigen. Und von beiden Geistergattungen gibt es hier eine Menge –  wobei die „Guten“ nach dem Glauben der Hindus in den Bergen und die „Bösen“ im Meer leben. 

Von diesem selbstverständlich und fast beiläufig vollzogenen Alltagsritual, das jeden Morgen und jeden Abend wiederholt wird, lassen sich die zutiefst gläubigen Balinesen auch im größten Touristenrummel nicht abhalten. Selbst die Kunstgalerien, Juweliergeschäfte und Boutiquen von Sanur, Seminyak oder Legian und sogar die Schreine in den Hotelanlagen von Jimbaran oder Nusa Dua werden täglich mit frischen roten Hibiskusblüten und betörend duftenden Frangipanizweigen versorgt. Schließlich sollen auch die ausländischen Gäste vor unheilvollen Geistern beschützt werden.

 „Insel der Götter“, so nennen viele dieses magische und durch seine exotischen Farben, Klänge und Gerüche verzaubernde Stück Erde. Balis allgegenwärtige Spiritualität entspringt aus der einzigartigen Melange der hinduistischen Hochkultur der Nachbarinsel Java mit dem Animismus der Urbevölkerung. Sie entstand, als die höfische Elite Javas vor den eindringenden Muslimen nach Bali floh und ihre Religion mit dem angestammten Geisterglauben der Reisbauern verschmolz.