Balis Gamelanmusik ist eine Hommage an die Götter

Unter der Krone des mächtigen Banyanbaums neben dem Tempel am Dorfeingang hat eine farbenprächtige Prozession Halt gemacht. An ihrer Spitze wütet ein drachenähnliches Zotteltier. Es wackelt mit dem Hinterteil, schüttelt seine wilde Mähne und bleckt bedrohliche Eckezähne. Seine herausquellenden Augen starren auf die festlich geschmückten Männer und Frauen, die sich in ihren wadenlangen Sarongs lächelnd um das Ungeheuer scharren.

Die Dorfbewohner feiern den Odalan, den Geburtstag ihres Tempels. Ja, auch die Tempel haben im zeremonienfreudigen Bali Anspruch auf ein opulentes Geburtstagsfest. Zu dessen Höhepunkten zählt der Barong, einer der wichtigsten Ritualtänze der Insel.

Der Barong, so heißt der legendäre Fürst des Dschungels, wird von zwei unter Masken und Kostümen verborgenen Männern dargestellt. Rasselnd wirbeln ihre nackten, schellenbewehrten Füße über den Lehmboden.  Der  Furcht erregende Herrscher der Wälder trägt gerade seinen rituellen Kampf mit der hinterlistigen Hexe Rangda aus. Das symbolische Gerangel geht unentschieden aus, denn in der hindu-javanischen Kultur werden gut und böse stets im Gleichgewicht gehalten.

Und weil die Balinesen so fremdenfreundlich und tolerant sind wie kaum ein anderes Volk, dürfen auch Touristen an diesem Schauspiel teilhaben. Gelegenheiten dazu finden sich täglich zu Dutzenden auf der indonesischen Vulkaninsel, die mit ihren schätzungsweise 20 000 Tempeln einen Weltrekord an gelebter Spiritualität aufstellt.

Mehrere Tage lang feiern die Dorfbewohner mit Tänzen, Gesängen und Gebeten ihren Tempel, den sie liebevoll mit bunten Bannern, Blumen und zitronengelben Zeremonienschirmen dekoriert haben. Weiß gekleidete Priester rezitieren Verse in Sanskrit, versprühen Weihwasser über die Köpfte der Betenden und drücken ihnen Reiskörner auf die Stirn. Den ganzen Tag über strömen Frauen in Festtagsgewändern durch die gespaltenen roten Backsteintore des Heiligtums. Auf ihrem Kopf balancieren sie meterhoch gestapelten Opfergaben: Äpfel. Bananen und Papaya, gekochte Hühner, Kokosnüsse und Reiskuchen, die den Göttern geweiht und nach angemessener Frist wieder mitgenommen und zu Hause verspeist werden.